Die aktuelle Diskussion über eine mögliche Abschaffung der gesetzlichen Grundlage für Hand- und Zugdienste sorgt in vielen Gemeinden für Unverständnis. Der Vorarlberger Gemeindeverband spricht sich klar gegen eine generelle Abschaffung dieser seit Jahrzehnten bewährten Regelung aus. „Die Hand- und Zugdienste sind ein gelebter Ausdruck von Gemeinschaft und Solidarität in vielen Gemeinden“, betont Präsident Walter Gohm.
Rund ein Drittel der Vorarlberger Gemeinden nutzt diese Möglichkeit der Gemeinschaftsarbeit bzw. Abgabe. Damit kann ein wichtiger Beitrag zur Pflege von Wanderwegen, öffentlichen Flächen oder dem Gemeindewald geleistet werden – Aufgaben, die ohne das gemeinsame Anpacken vieler kaum bewältigt werden könnten. So entsteht Mehrwert weit über die Arbeit hinaus – für unsere Kulturlandschaft und ehrenamtliches Engagement als weitere Säulen unseres Gemeinwohls. „Gerade in kleineren Gemeinden wird so nicht nur Arbeit geteilt, sondern Gemeinschaft geschaffen“, so Gohm weiter.
Der Gemeindeverband verweist auf die positiven Erfahrungen vieler Gemeinden, insbesondere in ländlichen Regionen wie dem Großen Walsertal oder dem Bregenzerwald, wo die Gemeinschaftsarbeit wesentlich zum Zusammenhalt beiträgt. „Gerade in Zeiten, in denen gesellschaftlicher Zusammenhalt und lokale Verantwortung wichtiger denn je sind, sollte man funktionierende Modelle nicht leichtfertig in Frage stellen“, erklärt Gohm.
Fair und solidarisch
Wichtig dabei: Rücksicht auf die körperlichen Möglichkeiten und Lebensumstände ist dabei selbst-verständlich – Gemeinschaftsarbeit bedeutet gegenseitige Unterstützung. Zudem besteht die Möglichkeit, sich durch die Entrichtung einer geringen Geldleistung von der Arbeitsverpflichtung zu befreien. Die Hand- und Zugdienste sind somit keine Zwangsverpflichtung, sondern eine faire und solidarische Form, sich für das Gemeinwohl einzubringen.
Der Gemeindeverband sieht daher keinen Anlass für eine Abschaffung oder Reform der bestehenden Regelung. Vielmehr sollte die Diskussion genutzt werden, um den Wert des gemeinschaftlichen Engagements stärker in den Vordergrund zu rücken.
Ob und in welcher Form die Hand- und Zugdienste umgesetzt werden, entscheiden letztendlich ohnehin die Gemeinden selbst – im Rahmen ihrer demokratischen Selbstverwaltung. Jede Gemeinde kennt ihre örtlichen Gegebenheiten am besten. Wo diese Form der Gemeinschaftsarbeit gelebt wird, stärkt sie das Miteinander und schafft Bewusstsein für das Gemeinwohl.